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Autisten in der Küche und Taube im Zimmer? Ja, das geht!

Autisten in der Küche und Taube im Zimmer? Ja, das geht.

- Ein lehrreicher Besuch im Integrationshotel Grenzfall in Berlin Mitte

 

Berlin, Donnerstag der 13. April gegen 16Uhr

Obwohl ich schon diverse Male in Berlin gewesen bin, hatte ich noch nie einen Abstecher in Richtung Gedenkstätte Berliner Mauer gemacht. An der Kreuzung Ackerstraße / Bernauerstraße findet man viel Grün und viel Grau. Ein Mahnmal zur Rechten und zur Linken ein komplettes Stück Grenze - nicht nur Mauer, sondern Grenze. Um die Grenze von oben einsehen zu können kann man das Museum mit begehbarem Turm an der Ackerstraße betreten, an dessen Fufle sich das Bistro Grenzfall befindet. Ein paar Schritte weiter und man steht vor dem Eingang des Integrationshotels »Grenzfall«.

Blick von der Aussichtsplattform am Bistro Grenzfall


Ich wurde herzlichst vom Team der Rezeption in Empfang genommen und Frau Achenbach und ich nahmen im Restaurantbereich Platz, um uns über die Hotelarbeit von Menschen mit Behinderung zu unterhalten.

Das Hotel Grenzfall arbeitet seit Gründung im Jahre 2010 als Integrationshotel und von den 42 Mitarbeitern haben 30 eine Behinderung. Das sind fast drei Viertel. Da die Hotelarbeit größtenteils aus körperlicher Arbeit besteht, haben die Mitarbeiter vorwiegend nicht-physische Beeinträchtigung. Von kognitiven Lernschwächen, ¸über psychische Erkrankungen bis hin zu Autismus und Taubheit ist alles vertreten.
„Die Kollegen aus dem Autismus-Spektrum arbeiten bei uns in der Küche, die Gehörlosen meist im Roomservice“, sagte mir Frau Achenbach. Zur Kommunikation zwischen den tauben Kollegen und der Zentrale kommt ein besonderes Funkgerät mit Vibration und Sprachnachricht zum Einsatz. Das Gerät ist natürlich auch mit der Brandmelderzentrale verbunden – irgendwie logisch.


Auf die Frage hin, ob die nicht-behinderten Kollegen eine zusätzliche Qualifikation erworben haben, um beim Einlernen und beim Umgang mit den behinderten Kollegen richtig zu handeln, kam ein klares „Nein“ zurück. „Wir sind hier einfach alle sozial eingestellt, es läuft viel sozialer ab als in gewöhnlichen Hotels und wenn ein Mitarbeiter nur wenige Stunden am Stück arbeiten kann, dann kriegen wir das auch hin. Wir arbeiten miteinander und füreinander.“ Ich war stark beeindruckt, da gerade Hotelbetriebe häufig im Kampf und unter Druck sind, was sich auch auf das Kollegenverhalten auswirkt. Nicht jedoch im Hotel Grenzfall, hier wird sehr viel Wert auf die eigentliche Arbeit im Team gelegt und es zahlt sich offensichtlich aus. Zudem kann jederzeit der „hauseigene“ Psychologe konsultiert werden, der regelmäßig mit den behinderten und nicht-behinderten Mitarbeitern spricht, um so die Balance zu gewährleisten.

Nach unserem Gespräch konnte ich ein paar ruhige Minuten im parkähnlichen Garten genießen, der mit harmonisch angelegtem Teich mit Brücken, Rasenflächen und Erholungsbereichen wie eine Oase Mitten in Berlin wirkt.

Hotel Grenzfall - Garten

Der Garten hinter dem Hotel 

 

Frau Achenbach zeigte mir noch das komplett barrierefreie Hotel inklusive Zimmer, Bad und Aufzü¸gen. Da es vor 2010 ein Seniorenheim war, musste das Gebäude glücklicherweise nicht erst barrierefrei umgebaut werden.